Validation

Validation
Validation ist vor allem eine wertschätzende Haltung für die Begleitung von Demenzpatienten
Naomi Feil
Naomi Feil – Entwicklerin der Validation

Die Kommunikationsmethode der Validation wurde ursprünglich von der deutschamerikanischen Gerontologin Naomi Feil in den 1960er Jahren entwickelt und 1990 auch im europäischen Raum eingeführt. Validation ist eine Technik, um mit desorientierten, sehr alten Menschen zu kommunizieren. Sie soll helfen, die Wirklichkeit des desorientierten Menschen zu verstehen und legt den Fokus auf die individuelle Betreuung von Demenzpatienten. Hierbei spielt die nonverbale Verständigung eine ebenso große Rolle wie die verbale Kommunikation. Ziel dieser Validation ist dementen Menschen mit Würde und Respekt entgegenzutreten, Vertrauen aufzubauen und den betroffenen Personen ihr Selbstwertgefühl zurückzugeben.

Beispiel für eine Validation

Anstatt mit alten, verwirrten Menschen zu “schimpfen” oder ihnen rational zu erklären, warum sie ihre Handtasche nicht mit auf Toilette nehmen sollen, wird bei der Validation anerkannt, dass die Handtasche einen wichtigen Teil der Identität in der aktuellen Situation darstellt, der nicht einfach “aufgegeben” werden kann. Verhaltensweisen, die für das soziale Umfeld immer wieder nervenaufreibend sind, können durch Validation eingestellt oder seltener werden.

Für wen eignet sich die Validation?

Die Validation eignet sich nicht nur für sehr alte Menschen, sondern kann generell bei folgenden Punkten Anwendung finden:

  • Menschen, die sehr alte (über 80) sind
  • Menschen, die ihr Leben lang ernste Krisen geleugnet haben
  • Menschen, die an überholten Rollen (z.B. Mutterrolle, Arbeitswelt…) festhalten
  • Menschen, die unter Beeinträchtigungen von Gehirn, Sehkraft oder Gehör leiden
  • Menschen, die über eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit und Gefühlskontrolle sowie ein mangelhaftes Kurzzeitgedächtnis verfügen

Validation nach Naomi Feil

Naomi Feil geht in ihrer Validationsmethode davon aus, dass jeder alte Mensch noch Entwicklungsaufgaben zu lösen hat. Nach den Erfahrungen von Feil, kämpfen sehr alte Menschen mit Lebensereignissen, die sie noch nicht bewältigt oder verarbeitet haben. Das Erleben und die Ressourcen (Fähigkeiten) der betroffenen Menschen verlaufen dabei in verschiedenen Phasen:

  • Mangelhafte Orientierung: Darstellung von Konflikten aus der Vergangenheit in unterschiedlicher Form.
  • Zeitverwirrtheit: Das Festhalten an der Realität wird aufgegeben und es erfolgt ein Rückzug in sich selbst
  • Sich wiederholdende Bewegungen: Worte werden durch Bewegungen ersetzt und werden zu Bearbeitung unbewältigter Konflikte verwendet.
  • Vegetieren: Die Welt wird komplett ausgeschossen und das Streben, sein Leben zu verarbeiten, wird aufgegeben

Ohne Hilfe und Unterstützung druch Pflegende oder Angehörige, durchläuft ein alter, verwirrter Mensch jede dieser vier Phasen. Hier kann Validation helfen, ein Abgleiten zu verzögern oder sogar zu verhindern.

Integrative Validation (IVA)

Die integrative Validation (IVA) wurde von der deutschen Psychogerontologin Nicole Richard ins Leben gerufen. Richard griff die Validierungsmethode von Naomi Feil auf und veränderte sie. Auf die Einteilung nach Phasen, auf Fragetechniken und auf Interpretation wird hier gänzlich verzichtet. Die integrative Validation basiert auf einer empathischen, wertschätzenden Grundhaltung und orientiert sich den den Gefühlen und Ressourcen jedes einzelnen Menschen wie zum Beispiel: Trauer, Wut, Sorge, Misstrauen, Angst, Fleiß, Ordnung, Fürsorge. Nicole Richard geht davon aus, dass diese Gefühle und Ressourcen im Alter zunehmend im Zentrum des Erlebens stehen und die Basis für herausforderndes Verhalten bilden. So benennt und bestätigt Richard diese Antriebe und Gefühle und erkennt sie so als gültig an. Folglich fühlen sich betroffene Personen verstanden, ernstgenommen und wertgeschätzt. Folgende Schritte sollten hierfür beachtet werden:

  • Gefühle und Antriebe wahrnehmen und erspüren: z. B. Unruhe, Sorgen, Ängste
  • Aspekte validieren: in direkten und kurzen Sätzen Gefühle und Ressourcen annehmen, akzeptieren und wertschätzen → Persönliches Feedback geben: “Sie haben keine Ruhe mehr…”, “Sie sind in Sorge…”, “Man könnte verzweifeln…”
  • Aspekte allgemein validieren: generelles Feedback mit Sprichwörtern, Volksweisheiten oder Liedtexten geben → “Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder,, große Sorgen…”
  • Lebensthema, berufsbezogene Antriebe und Schlüsselwörter erarbeiten: Ein biografisches Feedback geben → “Als Kindergärtnerin lieben Sie sicher Kinder…”

Diese Art des Einfühlens sollte im Rahmen einer Fort- oder Weiterbildung erlernt und/oder gefestigt werden. Zielführend ist immer die Wirklichkeit des betroffenen Menschen mit Demenz. Hier muss eine Beziehung und sichere Bindung aufgebaut werden. Dabei baut die Kommunikation auf zwei Prinzipien auf:

  • Agierendes Prinzip: Direktes Ansprechen der Person auf Lebensthemen wie Hobby und Beruf → z. B. Bankkauffrau (Geld, Sicherheit, Ordnung, Papier…)
  • Reagierendes Prinzip: Ressourcen im Verhalten des Betroffenen werden wahrgenommen und validiert → “Sie können aber gut mit Geld umgehen…”, “Sie sind aber sehr ordentlich…”

Techniken

Für eine Validation ist ein empathischer Ansatz sowie die ganzheitliche Erfassung des betroffenen Menschen unverzichtbar. Die nachfolgenden Kommunikationstechniken kommen zu Anwendung:

  • Zentrieren des Anwenders, sich von eigenen Gefühlen distanzieren, keine Verteidugung
  • Fragen nach Extremsituationen oder Erlebnissen – “Wann war es am schlimmsten?”
  • Sich das Gegenteil vorstellen – “Wann war es schöner z. B. im eigenen Haus?”
  • Schlüsselwörter heraushören – “Was ist das eigentliche Thema?”
  • W-Fragen – Wer, was, wann, wie, wo? / keine Warum-Fragen

Literatur

  • Validation: Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen, Naomi Feil (2017), (11. Auflage). Ernst Reinhardt Verlag, München (Taschenbuch, 167 Seiten). – ISBN 978-3497023912
  • Validation in Anwendung und Beispielen: Der Umgang mit verwirrten alten Menschen, Naomi Feil (2020), (8. Auflage). Ernst Reinhardt Verlag, München (Taschenbuch, 308 Seiten). – ISBN 978-3497029624
  • 100 Tipps für die Validation (Pflege leicht), Barbara Messer (2016), (4. Auflage). Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover (Taschenbuch, 132 Seiten). – ISBN 978-3899938401

Quellen

  • Pflege, Menche, N. (2019). Pflege Heute: Lehrbuch für Pflegeberufe (7. Aufl.). Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH. – ISBN 978-3437267789

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